Johannes Pflug, ehemaliger Duisburger Bundestagsabgeordneter der SPD

Johannes Pflug„Dieses Unglück ist so außergewöhnlich und hoffentlich einmalig für die Stadt, dass es eines entsprechenden würdigen Gedächtnisses bedarf. An erster Stelle müssen die Angehörigen und Betroffenen die Chance haben, auch in den nächsten Jahren zu trauern, aber auch allmählich den Schmerz zu überwinden. Eine würdige Form dabei sollte die Unterstützung durch die neu zu gründende Stiftung sein.

Was ich überhaupt nicht akzeptieren kann, sind Aktivitäten und Aktionen von Nichtbetroffenen, die sich über die Köpfe der Angehörigen hinweg oder an diesen vorbei äußern und mit Aktionismus positionieren. Diese Grundeinstellung und der Kreis der weiteren Kuratoriumsmitglieder waren entscheidend mich zu engagieren.“

Am Tag der Loveparade befand sich Johannes Pflug im Urlaub. Er erfuhr aus den Nachrichten von der Katastrophe. Von seinem Bruder, der eigentlich zur Loveparade wollte, wusste er bereits am Mittag, dass er wegen des großen Andrangs auf den Besuch der Loveparade verzichtet hatte. „Unser Sohn, der ursprünglich auch hingehen wollte, war Gott sei Dank ebenfalls nicht hingegangen.

Jürgen Thiesbonenkamp, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Kindernothilfe

Jürgen Thiesbonenkamp„Als ich am Tag der Loveparade meine Tochter abholte, die von Münster nach Duisburg mit dem Zug angereist war, um uns zu besuchen, habe ich die vielen Menschen gesehen, die sich auf den Weg gemacht hatten. Ich hatte vor der Loveparade schon ein ungutes Gefühl als bekannt wurde, dass der Zugang durch den Tunnel führen würde. Aber man hofft ja immer, dass nichts passiert.

Ich war erschüttert als ich nachmittags aus den Nachrichten von dem Unglück erfuhr. Alles, was wir geplant hatten, rückte schlagartig in den Hintergrund. Man war ohnmächtig etwas zu tun, war zwischen Bangen und Hoffen, hatte keine andere Option als die Hoffnung, dass nicht noch mehr passiert.

In den Gesichtern der Akteure auf der Pressekonferenz am nächsten Tag war zwar zu lesen, wie mitgenommen sie waren. Doch die Worte, die ich von Ihnen hörte, klangen wie auswendig gelernte Vokabeln. Es war nicht zu fassen.“

Jürgen Thiesbonenkamp engagiert sich „im Rahmen meiner kleinen Möglichkeiten für die Stiftung, weil mir die Stadt und die Menschen, die hier leben, wichtig sind“.

Peter Gasse, Geschäftsführer der Hüttenwerke Krupp-Mannesmann

Peter Gasse„Es war ein fürchterliches Unglück. Ich saß im zu Hause im Garten als ich davon hörte. Wir versuchten sofort, unsere beiden Söhne zu erreichen. Ich fühlte mich auch an andere Katastrophen wie die in Rammstein erinnert.

Der entscheidende Grund, warum ich mich in der Stiftung engagiere, ist für mich die Tatsache, dass wir als Duisburger mit dem Unglück und seinen Folgen leben müssen. Und da, wo wir es können, sollten wir den Hinterbliebenen und den Betroffenen helfen, ihnen Achtung und Respekt entgegenbringen.

Wir müssen zudem die Erinnerung an das Unglück hochhalten, damit so etwas nie wieder geschieht.

Als Peter Gasse sein Söhne an dem Tag des Unglücks erreicht hatte, erfuhr er, dass der eine den Besuch der Loveparade gar nicht erst geplant hatte, der andere auf dem Weg zum Veranstaltungsgelände umgekehrt war, weil ihm das Gedränge zu groß geworden war.

Jutta Stolle, Direktorin für den Bereich Gesellschafter und Nachhaltigkeit bei Haniel

Jutta Stolle„Meine Freundin und ihr Mann waren unsere Gäste. Es war ein schöner Sommerabend und wir haben gegrillt. Als ich etwas aus der Küche holte, sah ich auf dem dort laufenden TV-Bildschirm das Laufband: Massenpanik bei Loveparade. Sofort habe ich lokale Sender eingeschaltet, da ich wußte, dass die Kinder meiner Freundin dort waren. Wir waren alle geschockt – auch wenn recht schnell klar war, dass die Kinder unversehrt waren.

Zudem wohne ich am Kaiserberg und die Schweizer Strasse war die Hauptroute für die Einsatzfahrzeuge. Meine Befürchtungen hatten sich bewahrheitet, denn wer die Örtlichkeiten kennt, hat sich immer gefragt, wie das gehen soll!“

Jutta Stolle engagiert sich in der Stiftung „aus Verbundenheit zu meiner Heimatstadt.

Ulrike Stender, Diplom-Psychologin und Leiterin der Evangelischen Beratungsstelle Duisburg/Moers

Ulrike Stender „Als ausgebildete Psychologin und Beraterin weiß ich um die möglichen Folgen solcher Katastrophenerfahrungen – angefangen von Ängsten bis hin zu posttraumatischen Belastungsstörungen. Entsetzlich war und ist immer noch die Vorstellung, welches Leiden es sowohl für die Angehörigen der zu Tode gekommenen  meist jungen Menschen als auch für die körperlich und seelisch geschädigten Überlebenden bedeutet.

Auch wenn ich in Mülheim wohne, bin ich qua 36 Jahren Tätigkeit in der Ev. Beratungsstelle sehr mit Duisburg identifiziert und fühle ich mich als Teil der Stadtgesellschaft. Mein Engagement in der Stiftung erwächst aus dem Impuls, an einer im weitesten Sinne „Wiedergutmachung“ mitzuwirken; das ist ein eher moralisch-ethischer Impuls.

Von Duisburg soll noch ein anderes Signal ausgehen als das des damaligen OB Sauerland. Nämlich Verantwortungsübernahme – auch wenn es in Form der Stiftung Loveparade ist, bei der ich jetzt im Kuratorium mitwirke.

Die Geschädigten bzw. Opfer der Loveparade-Katastrophe sind für mich:

Betroffene, die noch immer unter körperlichen oder psychischen Folgebelastungen leiden und deren Angehörige, die ja u. U. mit betroffen sind, die Angehörigen der Todesopfer, die würdige Formen und Orte für ihre Trauer brauchen, die weiterhin wahrgenommen werden wollen und müssen – weit über den Zeitpunkt des Geschehen hinaus.

Zudem stehen alle Genannten in der - zum Zeitpunkt der Stiftungsgründung - unerträglichen Situation, dass die juristische Aufarbeitung auf sich warten lässt, ein Prozessbeginn sich immer wieder verzögert und evtl. niemals eine juristische Aufarbeitung erfolgen wird.“

Ulrike Stender weiß aus ihrer Arbeit als Psychologin, wie wichtig es für die psychische Verarbeitung solcher Verluste und Erlebnisse ist, dass Verantwortlichkeiten geklärt werden und erlebbar „Recht“ gesprochen wird. Auch bei diesem Warten sei es gut, Mitgefühl und Solidarität zu zeigen und ein Signal zu setzten: „Ihr seid nicht vergessen von Duisburg“.